Kritische Weltsicht für neue Ideen?

 

Politischen Säuberungen der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg

 

»Zelte sah ich, Pferde, Fahnen, roten Rauch am Horizont. Die mit uns ins Lager kamen, sind das Leben so gewohnt.« Lagerfeuerromantik, Freiheit, eine Jugend, frei von dem Zugriff der allgegenwärtigen Unterhaltungsindustrie. Die Bündischen ebenso wie die Pfadfinder wandern seit Generationen aus »Grauer Städte Mauern« und pflegen, ob Sturmvogel, Freibund, Heimattreue Jugend oder eben die Pfadfinderbünde ihren eigenen bunten Lebensstil.

So auch der größte Pfadfinderverband, die »Deutsche Pfadfindergemeinschaft Sankt Georg« (DPSG), deren Weltnetzauftritt sich weltläufig und tolerant gibt. 95.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen biete er mehr als ein Abenteuer. Der Verband verstehe sich als Erziehungsverband: »Die Mitglieder lernen, aufrichtig und engagiert ihr Leben und ihr Umfeld zu gestalten. In Gruppen mit Gleichaltrigen läßt sich dieses Erziehungsziel gut erreichen.« Jugend führt Jugend – ein schönes und bekanntes Programm. Und all diejenigen, die das Abenteuer wagten, könnten sich »mit und in der Gruppe entwickeln«: »Die DPSG erzieht ihre Mitglieder zur kritischen Weltsicht und schafft einen Freiraum für neue Ideen.« Der Schutz und die Weiterentwicklung der einzelnen Person sei das vorrangige Ziel.

Peter Deckert in DPSG-Kluft

Für Peter Deckert soll das Abenteuer jetzt vorbei sein. Deckert ist 25 Jahre, diente in seiner Kindheit als Ministrant in der katholischen Kirche und wurde in der eigenen Schulzeit Mitglied des DPSG. Als Peter Deckert sein Abitur absolvierte, war er bereits Leiter eines Stamms, einer Untergliederung des Bundes, und kümmerte sich um die »Wölflinge«, also die Kleinsten. Fahrt und Lager, Gestaltung von Netzseiten (www.wölflinge-nagold.de) – man war mit Peter Deckert zufrieden.

Dies änderte sich erst, als Deckert 2001 auf die NPD aufmerksam geworden war. »Freie Persönlichkeiten treffen freie Entscheidungen«, dachte sich der katholische Pfadfinder, und deshalb wollte sich das ehemalige Mitglied der Jungen Union im nationalen politischen Spektrum engagieren. Der Weg zur NPD war lang. Deckert schildert seinen Werdegang ruhig und ernst: »Durch das Schicksal, als Deutscher in Oberschlesien im heutigen Polen aufzuwachsen, habe ich mich recht früh mit meiner Identität und dem Schicksal der deutschen Minderheit in Polen auseinandersetzen müssen. Meine Eltern und vor allem Großeltern mußten viele Gemeinheiten der Polen über sich ergehen lassen. Man wurde eingesperrt, weil man deutsch gesungen hat. Man wurde in seinem eigenen Haus bespitzelt, denn es durfte nach dem Kriege nicht Deutsch geredet werden.« Die Heimkehr nach Deutschland 1989 erwies sich für die ganze Familie als »Kulturschock«: »Durch die patriotische Erziehung des polnischen, damals noch kommunistischen Staates, war es für mich befremdlich, wie sich unsere Landsleute im damaligen Westdeutschland gegen-über ihrem eigenem Land äußerten. Wir Deutsche in Schlesien waren immer schon stolz darauf, zu solch einem großartigen Volk zu gehören. Doch hier wurde und wird man schon schief angeschaut, wenn man nur seine eigene Landesfahne auspackt.« 2002 wurde er in die NPD aufgenommen und arbeitete bereits ein Jahr später im Regionalvorstand der Partei mit.

»2004 haben mich dann Eltern ehemaliger Leiter an einem Infostand der NPD gesehen. Da fing der Ärger an«, berichtet Deckert. Und wie das in unserer »Demokratie« inzwischen üblich ist, entschied der Vorstand, was demokratisch ist und was nicht. Zwar könne man gegen eine bloße Mitgliedschaft nichts machen, Deckert mußte jedoch versprechen, nicht aktiv für die Nationaldemokraten hervorzutreten. Der junge Mann akzeptierte. »Der Bund liegt mir am Herzen, und für die NPD konnte ich ja auch im Stillen wirken,« begründet Deckert heute seine Entscheidung.

Im nachhinein scheint klar: Die Messer waren trotzdem längst gewetzt. Als man ihm eine direkte Verbindung von der Jugendseite auf ein eigenes Projekt nachwies, fingen die Drohungen an. Deckert hatte sich die Netzadresse www.holokaust.de gesichert. »Mit ,k‘, wie dies Guido Knopp immer fordert«, schmunzelt Deckert. Diese Netzseite sei der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringe, wurde ihm vorgehalten. Was konnte man Deckert vorwerfen? Er hatte sich mit dem Vertreibungsholokaust gegen die Deutschen nach 1945 beschäftigt. »Was ist dagegen einzuwenden?«, fragt er sich heute ratlos.

Dann kam die ganze Litanei der immer wiedergekäuten Vorwürfe. Der Bund sei weltoffen, die NPD ausländerfeindlich. »Das ist totaler Quatsch«, rechtfertigt sich der Ausgeschlossene vehement, »Weltoffenheit muß doch nicht die Befürwortung der multikulturellen Gesellschaft bedeuten.« Die NPD sei nicht ausländer, sondern nur einwanderungsfeindlich.

Die Gespräche seien zum Teil in einer haßerfüllten Atmosphäre abgelaufen. Ein Elternabend wurde einberufen, natürlich ohne Deckert einzuladen. Die Kinder, die sich ihren Peter wieder zurück-wünschten, wurden nicht gefragt. Da hörte dann die sonst vielbeschworene eigenständige Entscheidung der Kinder und Jugendlichen auf.

Peter Deckert will sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden. »Niemand darf wegen seiner politischen Anschauung benachteiligt werden«, erinnert der sich an das Grundgesetz. Im Februar dieses Jahres fand eine Anhörung vor dem Diozösanvorstand statt. Bis Ende Mai bekam der 25-Jährige, der sich inzwischen selbständig gemacht hat, keine Antwort. »Wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen«, sagt er mit festem Blick und freundlicher Geste, und man ahnt, warum sich seine Wölflinge ihren Leiter zurückwünschen.

Andreas Molau

Ihre Meinung können Sie bei der DPSG kundtun. Und schicken Sie ein Doppel an die DS-Redaktion. Bundesamt Sankt Georg: Postfach 221380, 41436 Neuss, Martinstr. 2, 41472 Neuss, Fax: 02131 /4699-99 ; Sekretariat Bundesleitung (Ursula Görden): Tel.: 02131/4699-90. www.dpsg.de

Quelle: www.deutsche-stimme.de

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